Meine Eifelfotos


 

Persönliches

  

Kinderbücher waren eher Luxus in dem Eifeler Bauernhaus, in dem ich 1948 geboren wurde und wo ich eine behütete Kindheit zwischen Kühen, Hühnern, Obstwiesen und vielen Freiluftspielen verbrachte. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben mich Bücher früh fasziniert. Erst waren es Elfchen- und Tierbücher unserer Nachbarn, später sämtliche Kinder- und Jugendbücher aus der Bücherei.

 

Anfang der 70-er Jahre, als es mir in dem Eifeldorf zu eng wurde, waren es dann die Großen der Literatur, die mein Interesse erweckten, und auch sämtliche Lehrbücher der Psychologie. Meine Welt war größer geworden. Ich reiste, lernte Sprachen, sammelte Lebenserfahrung und dachte darüber nach, wie die Menschen so ticken. In meinem Beruf als Sekretärin lernte ich auch, zu schreiben. Allerdings erst einmal Geschäftliches.

 

Nach Familiengründung las ich dann wieder Kinderbücher – vor! Jede Menge. Aber auch mit Romanen, Sachbüchern, Reiseführern, Bildbänden und Ratgebern füllten sich meine Regale. Dass ich irgendwann einmal ein selbst geschriebenes Buch in Händen halten würde, war eher ein Wunschtraum.

 

Der Anlass dazu, mein erstes Buch zu schreiben, war - wie bei vielen Autoren - erst einmal das Aufarbeiten einer Lebenssituation. Denn Kai, eines unserer drei Kinder, hatte das Down-Syndrom und entwickelte sich zu einem Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der uns unzählige Streiche spielte und uns mit seiner unbeschwerten Art lehrte, wie man sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen kann. Als unsere Kinder größer wurden und ich - um all die schönen und weniger schönen Erlebnisse meiner Sprösslinge festzuhalten - jedem zu Weihnachten damit ein kleines Büchlein füllte, löste das in meinem Kopf einen Sturm von Emotionen aus. Ich merkte, dass für Kai ein kleines Büchlein nicht reichte und die Idee wuchs, daraus ein wirkliches Buch zu machen. Das tat ich dann auch. Unbedarft und ohne jegliche Ahnung, ob sich jemals Leser dafür interessieren würden, wenn eine Mutter erzählt, dass ein Leben mit Behinderung/mit einem behinderten Kind durchaus nicht traurig sein muss.  

 

Sie taten es. Obwohl es kein perfektes Buch war, bekam ich unzählige positive Rückmeldungen und oft hörte ich die Worte: „Schreib doch noch mehr“. Das motivierte mich. Ich spürte, dass es genau die richtige Lebensphase war, meine Phantasie mit meiner Lebenserfahrung zu paaren. So entstanden im Laufe der nächsten Jahre Romane, Krimis, Kurzgeschichten, Gedichte und Mundart-Episoden, allesamt in der Region angesiedelt und immer hautnah an der Mentalität der Landbevölkerung.

 

Echte Eifeler wie ich übertreiben nicht gerne. Deshalb liegen in meinen Krimis auch nicht massenhaft verstümmelte Leichen herum, deshalb sind die Protagonisten in meinen Romanen und Geschichten keine Überhelden oder allzu Böse. Auch das ganz normale Leben bietet Stoff für Bücher. Ich finde es schön, wenn sich viele Leser/innen in meinen Figuren selbst wiederfinden und wenn Leute mir Komplimente machen mit Sätzen wie: "Genauso ist es", "es hat mich so an meine eigene Jugend erinnert" oder "man kann sich so gut hineinversetzen". Und wenn Sie, liebe Besucher/innen vielleicht irgendwann bei einer meiner Lesungen dabei sind oder eines meiner Bücher lesen, dann würde ich mich freuen, wenn Sie ähnlich reagieren.

 

Herzlichst

Rosi Nieder